Hafen von Hvar

Weite See, volle Buchten

Die Corona-Pandemie hat mir ein Buchprojekt über das Seesegeln in der DDR beschert, mich gleichzeitig aber auch nachhaltig vom Segeln abgehalten. Zwei Jahre nach unserem Griechenland-Törn freue ich mich deshalb um so mehr, dass es nun endlich wieder als bewährte Dreier-Crew mit Lutz und Michael auf die Reise gehen kann. Von der ACI Marina Split aus sind wir an Bord einer Jeanneau (die dritte in Folge, diesmal 41 Fuß) eine Woche in der wunderschönen dalmatinischen Inselwelt unterwegs. Die Region kenne ich bislang nur aus Erzählungen und vom Fernsehen, bin dementsprechend gespannt. Eine Woche später bin ich zusätzlich begeistert.

Tourtag 1: Insel Brač

Spät angereist, späte Übergabe, also bleiben wir die erste Nacht in der Marina. Dadurch haben wir genügend Zeit um im knapp einen Kilometer entfernten Konzum einzukaufen. Und um abends lecker im nahegelegenen Restaurant Velum essen zu gehen. Den nächsten Tag beginnen wir gemütlich, nach einem relaxten Frühstück geht es Richtung Süden, die auf der anderen Seite von Brač liegende Küste ist unser Ziel. Keine schlechte Entscheidung, wir kreuzen gegen leichten Wind und gewinnen segelnd so nur langsam Strecke in Richtung Ziel. Es ist schon nicht mehr ganz früher Nachmittag, als wir die Durchfahrt zwischen Brač und Šolta passiert haben und endlich etwas flotter Richtung Südost unterwegs sind.

Bilder sagen mehr als Worte: Warum man sich in die mediterrane Landschaft verlieben kann.

Danach dauert es nicht lange, bis wir unsere erste Bucht für die Nacht ansteuern. Sie gehört zum Hotel Lučice und ist bereits gut gefüllt. Ein junger Mann im Schlauchboot kommt uns flott entgegen, 240 Kuna soll der Platz an einer der noch freien Bojen samt Mooring kosten. Mehr als 30 Euro rechnen wir überschlägig und meinen, dass das nicht wenig sei. Es ist aber schon ein paar Jahre her, seit wir das letzte Mal in Kroatien segelten. Der Bootseinweiser entfernt sich zu einer anderen Yacht, die frecherweise unsere angedachte Boje okkupiert. Ob wir noch interessiert seien, fragt er süffisant bei der Rückkehr. Sind wir und steuern flugs auf den nächsten Festmacher zu. Am Ende der Woche wissen wir, dass dies die günstigste Boje unserer Tour war.

Tourtag 2: Insel Vis

Wir wollen etwas weiter raus, an Hvar vorbei ist die Insel Vis unser Ziel des Tages. Der Wind kommt immer noch schlapp aus südlicher Richtung, was das Vorankommen nicht unbedingt beschleunigt. Zahlreiche Yachten – und hier vor allem die Katamarane – sind flotter mit aufgetuchtem Segel unter Maschine unterwegs, die haben es wohl eilig. Uns bleibt genügend Zeit die Charteryacht genauer zu inspizieren, eine noch relativ frische Sun Odyssey 419. Abgesehen vom Rollgroß, das beim Rausholen auf halbem Wege zunächst klemmt und was sich erst nach zwei, drei Rein-Raus-Aktionen legt, können wir keine nennenswerten Macken feststellen. Das ist bei solchen Yachten nicht unbedingt selbstverständlich. Die Segel wirken zugegeben leicht ausgelutscht, etwas Trimm verleiht ihnen aber ein besseres Standing. Wahrscheinlich kann es ein Profi deutlich besser, aber wir sind zufrieden über etwa einen Knoten Zugewinn an Geschwindigkeit.

Mit MarineTraffic & Google direkt vor Ort recherchiert: Das schmucke Schiffchen kostet inkl. Crew 75.000 Euro pro Woche. Dagegen sind wir auf einem richtigen Schäppchen unterwegs!

Wenn wir schon kreuzen müssen, kann man dabei auch etwas lernen. Mein Versuch, das Prinzip „Hole- und Streckbug“ zu optimieren, offenbart weiteren Optimierungsbedarf, ich traue der Yacht offensichtlich zu viel Höhe am Wind zu. Mit weiteren Schlägen erreichen wir trotzdem Kap Pelegrin und biegen in den Kanal Richtung Hvar-Stadt ab. Hier soll das neue St. Tropez entstanden sein, das ist immer wieder zu hören und zu lesen. Die Ansammlung dicker Motoryachten in den kleinen Inselbuchten gegenüber der Hauptinsel scheint diese Vermutung zu bestätigen. Unmittelbar vor der Stadt liegt eine Reiseyacht, die die Ausmaße eines Kreuzfahrtschiffs erreicht. Luxus pur!

Wieviele Reisende da wohl an Bord sind?

Hvar-Stadt wirkt, als könnten wir uns hier nicht einmal das kurze Anlegen leisten, also geht es nach einer Hafenrunde (siehe Beitragsbild) weiter in Richtung Vis. 😉 Nach einer ereignislosen, aber schönen Überfahrt biegen wie um 16:00 Uhr in die Stončica-Bucht ein. Diese ist bereits gut gefüllt, wir finden aber eine Boje, die noch einmal 10 Kuna mehr kostet als am Vortag. Dafür ist die Bucht sehr schön, sie endet an einem Sandstrand, den wir schwimmend besuchen. Hinter Bäumen liegt versteckt eine kleine Konoba, leider haben wir kein Geld dabei und sind zudem auf die Bordküche fixiert, an Land können wir noch das restliche Jahr speisen.

Zurück auf dem Schiff registrieren wir weitere Yachten, die in die zunehmend vollere Bucht einfahren. Einige finden noch einen Liegeplatz, andere – vor allem aus dem Übergrößenbereich – verlassen die Bucht nach kurzer Runde wieder. Uns schwant allmählich, dass man sich in diesem Revier offenbar rechtzeitig um einen Liegeplatz für die Nacht kümmern sollte. Da wir am Folgetag erstmals den Anker auswerfen wollen, vertrauen wir darauf, dass uns dieses Problem nicht mehr betrifft.

Tourtag 3: Insel Šolta

Spät aufgestanden, gebadet und ausgiebig gefrühstückt, verlassen wir unsere Schlafbucht erst nach elf Uhr. Zunächst geht es unter Motor in den nahegelegenen Ort Vis, um die Vorräte aufzustocken. Blöderweise stoßen wir erst auf einen kleinen, engen Konzum-Markt, bevor wir vollbepackt den deutlich sympathischeren Studenac-Markt in Vis entdecken.

Vis ist ein malerischer Ort, der einen etwas längeren Besuch verdient hätte.

Am Kai liegt nebenan eine gut gefüllte Yacht, die bereits vor uns da war. Als wir gegen 14:00 Uhr und 55 Kuna ärmer für zwei Stunden Liegezeit ablegen, reagiert man dort etwas verwundert. Wohin wir denn jetzt noch wollen? Bis nach Šolta? Allgemeines Kopfschütteln, man hat bezüglich der Liegeplätze offenbar seine Lektion gelernt. Wir lassen die Kaimauer hinter uns und stellen fest, dass diese bereits am frühen Nachmittag üppig mit Yachten belegt ist, die von uns gerissene Lücke wird schnell wieder geschlossen. Bis 18 Uhr hoffen wir das nächste Ziel zu erreichen, aber wir machen uns keine größeren Gedanken, diesmal brauchen wir ja keine Boje.

Eine leichte Brise aus achterlicher Richtung treibt die Jeanneau Richtung Norden, wir klönen an Bord, genau so soll es sein. Doch irgendwann ist das letzte Thema durch und wir merken, dass unsere Zeitplanung nicht mehr so ganz passt. Also wird für die Reststrecke der Motor mit niedrigen Umdrehungen angeworfen, was mit dem Segel für ordentlichen Vortrieb sorgt. Die große Tatinja-Bucht haben wir uns für die erste Ankernacht ausgesucht, als wir dort ankommen, scheinen alle geeigneten Plätze belegt. Wir fahren ein bisschen herum, doch das Meer wird schnell tief und die Yacht hat nur fünfzig Meter Kette im Kasten. Also ab in die nächste Bucht. Langsam arbeiten wir uns nach Südosten vor, Liegeplatz für Liegeplatz ist besetzt. Einmal sind wir fast bereit, in einer winzigen Seitenbucht den Anker zu werfen. Aber dann gefällt dem Skipper die Gesamtsituation nicht, was soll man machen?

Wir landen im vorletzten Ziel unserer Liste, der Livka-Bucht, danach müssten wir eine nahegelegene Marina ansteuern. In der Bucht liegen drei kleinere kroatische Yachten, mit unserer 41er-Jeanneau komme ich mir hier etwas überdimensioniert vor. Die anderen Segler haben kürzere Ankerleinen und deshalb nahe des Ufers zusätzlich mit Landleinen festgemacht. Das lässt uns etwas mehr Raum für die Suche nach einem geeigneten Ankergrund. Misstrauisch wird beobachtet, ob die Touristen mit ihrem dicken Pott nicht gefährlich nahe kommen, doch als der Anker endlich unten ist und greift, sind alle zufrieden. Als wir mit dem Ankerbier endlich in der Plicht sitzen, hat das Tageslicht bereits spürbar nachgelassen.

Tourtag 4: Festland

Über das Short Range Certificate (SRC) verfügt jeder von uns, trotzdem interessiert sich keiner wirklich für das Funkgerät. Tagsüber sind wir oben, der Kasten läuft unter Deck in gedämpfter Lautstärke vor sich hin. Viel zu hören gibt es auf Kanal 16 auch nicht. Split Radio meldet sich ab und zu auf englisch, andere Teilnehmer kommunizieren wenig überraschend auf kroatisch, insgesamt ist wenig aus dem Äther zu erfahren. Als ich unter Deck etwas esse, sucht man von Split aus gerade eine Yacht, die eine PanPan-Meldung abgesetzt haben soll. Keine Antwort, die teilnehmenden Stimmen klingen nicht unbedingt aufgeregt.

Da muss man sich schon ordentlich festhalten.

Wir sind alle an Deck, als das Funkgerät am frühen Nachmittag einen lauten Signalton von sich gibt. Das Gerätedisplay verrät nicht gleich, welche Bedeutung das Signal hat, nach etwas Fummelei im Menü findet sich schließlich eine Mitteilung, die einen allgemeinen Funkspruch ankündigt. Ich kann mich nicht erinnern, dass dies Teil der Ausbildung war, da ging es vor allem um Notfall-Situationen. Aber wir haben es auch so hinbekommen. Kurze Zeit später meldet sich eine quäkende Frauenstimme aus dem Lautsprecher, nicht alles ist zu verstehen, aber wir glauben bad weather conditions und dalmatian area zu hören. Das ist nicht misszuverstehen, ein Blick auf die Smartphone-Apps Windy und Windfinder bestätigt prinzipiell die Ankündigung. Gesegnet seit das kroatische Mobilfunknetz! Im Verlaufe des Nachmittags soll der Wind deutlich zunehmen, etwas später glauben wir am Radio den Begriff gale warning zu vernehmen.

Über unser genaues Ankerziel haben wir bis zu diesem Zeitpunkt noch keine abschließende Entscheidung getroffen, eigentlich wollten wir wieder in eine lauschige Inselbucht. Doch nach der Ansage strebt die Jeanneau wie viele weitere Yachten Richtung Festland. Der Wind frischt zunehmend auf, wir planen an den beiden Drvenik-Inseln vorbei in einer der dahinter liegenden Buchten unterzuschlüpfen. Auf dem Meer entwickelt sich etwas Regattageist, keiner will als Letzter ankommen und leer ausgehen. Der Windmesser zeigt schließlich Geschwindigkeiten von 26 Knoten, in Böen auch etwas darüber. Wir haben ordentlich Schräglage, das Schiff jagt mit 7,5 Knoten dahin, nicht schlecht! Die See baut sich erst langsam auf, da kann man die Fahrt genießen. Einziges Manko: Meine dunkelblaue MTW-Kappe geht in einer Böe über Bord, ein schnelles Mütze-über-Bord-Manöver bleibt ohne Erfolg. 🙁

Bei gutem Wetter macht das Spaß!

Inzwischen haben wir uns ein Ziel ausgesucht, die Sičenica-Bucht soll es werden, sicherheitshalber wird ein Bojenfeld gewählt. Als wir gegen vier eintreffen, scheint alles belegt. Wir wollen schon weiterfahren, da gibt ein günstig schwojender Rumpf den Blick auf die letzte ungenutzte Boje frei. Manchmal hat man halt auch Glück. Schnell das Boot klarmachen, mit einem Bier in die Plicht und das Hafenkino einschalten: Mehrere Charteryachten kommen suchend rein, drehen eine Runde und fahren wieder raus. Am frühen Abend folgt eine kroatische Yacht mit zwei älteren Herren an Bord. Auch sie drehen die Ehrenrunde, dann entscheiden sie unweit der Bojenreihe unter lautstarker Diskussion ihren Anker zu werfen. Das Manöver sieht eine ebenfalls suchende italienische Yacht und folgt dem Beispiel. Am Ufer, in zugegeben einiger Entfernung, steht ein Ankerverbotsschild. Sind die beiden Yachten davon betroffen? Ich bin mir nicht sicher, doch als wir am kommenden Morgen aufstehen, sind beide Ankerlieger bereits wieder verschwunden. In unserem Hafenführer wird erwähnt, dass kroatische Dienststellen vor Ort durchaus kreativ bei der Auslegung von Verkehrsregeln sein können.

In der Bucht liegen wir gut geschützt gegen den nördlichen Wind, die Boote schaukeln sanft, nur in den oberen Mastetagen klingelt es hörbar. War die Wetterwarnung übertrieben? Zumindest brauchen wir uns für die Nacht keine Sorgen zu machen und können trotz zunehmender Dunkelheit fasziniert den intensiven Schlauchbootverkehr zwischen den Yachten und der nahegelegenen Konoba verfolgen. Immer wieder tauchen aus der Schwärze Gruppen von eng aneinander gedrängten Kopfumrissen auf, die laut knatternd in die eine oder andere Richtung streben.

Tourtag 5: Insel Drvenik Veli

Am nächsten Tag ist auf dem Wasser vom gestrigen Starkwind (Bora?) nichts mehr zu spüren, die Adria präsentiert sich von ihrer besten Seite. Ungeachtet mehrerer Katamarane, die unter Motor an uns vorbeieilen, ziehen wir die Segel raus und treiben im leichten Wind gemächlich voran. Als wir die Insel Drvenik Mali passieren, wird beschlossen, im Hauptort ihrer großen Schwester noch einmal den Proviant aufzufüllen. Im Hafenbecken fällt nahe des Supermarkts der Anker und wir lassen das Dingi zu Wasser. Nahe dem Kai liegt ein großer Betonquader im Wasser, was zugegeben etwas verspätet entdeckt wird. Um Abstand zu gewinnen holt der Mann an Bord ein wenig Kette ein. Also Augen auf, wer im hinteren Hafenbereich von Drvenik Veli unterwegs ist! Der kleine Supermarkt schließt gegen eins, wir haben Glück, gerade noch rechtzeitig anzukommen. Der benachbarte Bäcker ist bereits zu und öffnet laut Aushang erst um fünf wieder.

Ein malerischer Ort, in dem aber nachmittags nicht unbedingt viel los ist: Drvenik Veli

Zurück auf dem Wasser ist die Crew etwas unschlüssig, wohin die Reise gehen soll. Die Smartphone-Apps verkünden starke nördliche Winde ab dem späten Nachmittag. Sollen wir es noch einmal auf der Südseite von Šolta versuchen? Dann meldet sich wieder Split Radio. Diesmal ist der Begriff gale warning deutlich zu vernehmen. Ans Festland wollen wir nicht schon wieder, aber doch rechtzeitig in einer Bucht sein um einen guten Liegeplatz zu finden. Da wir gerade um Drvenik Veliki herumsegeln, fällt die Entscheidung, die Solinska-Bucht anzusteuern. Diese ist lediglich nach Süden offen, also sollte die Sun Odyssey auf dem gewählten Ankerplatz gut liegen, ihr Rumpf schwojt in südliche Richtungen. Weitere Kielboote erreichen die Bucht, es wird spürbar enger. Eine polnische Yacht unternimmt mindestens ein halbes Dutzend Anläufe, bevor die Crew mit ihrem Platz zufrieden ist. Danach fährt eine fünfköpfige Familie mit ihrer 44er Bavaria relativ spät in die Bucht ein und landet nach mehreren Ankerwürfen unweit des Strandes. Da der Wind in der Nacht von Nordwest auf Nordost drehen soll, scheint die Entscheidung akzeptabel.

Nach dem Abendessen wird es bald dunkel und auch überraschend kühl, wir verschwinden einer nach dem anderen zum Lesen unter Deck. Wenig später liege ich im Bett und merke beim Einnicken gerade noch, dass das Wetter sich ändert. Unvermittelt schlagen Wellen laut gegen den Rumpf. In der Dunkelheit ist festzustellen, dass sich die Lage unseres Schiffs um mehr als 90 Grad geändert hat. Der Wind hat auf östliche Richtungen weitergedreht und wird offenbar von der Insel Šolta in unsere Bucht abgelenkt. Das Heck dreht nur noch 30 Meter vor der Küste hin und her. Der Anker scheint zu halten, aber jetzt ist besondere Aufmerksamkeit gefragt. Seegang drückt in die Bucht, das ergibt eine ungemütliche Schaukelei. Für die Familienyacht kommt das Land offenbar zu nahe, wir hören den Anker, dann läuft die Yacht aus der Bucht. Weiter draußen sind Wind und Wellen stärker, außerdem fällt der Meeresboden schnell auf mehr als dreißig Meter Tiefe ab. Es dauert nicht lange und die Bavaria kehrt aus der Dunkelheit zurück, sie sucht einen neuen Ankerplatz zwischen den stark schwojenden Rümpfen der anderen Ankerlieger.

Noch ist das Wetter gut und die Bucht schwach gefüllt. Beides wird sich in den nächsten Stunden ändern.

Mal ist sie nahe, mal weiter weg, mal sieht man im Dunkeln die Buglichter, mal die Achterlichter, der Skipper ist wirklich nicht zu beneiden. Ein, zwei Mal glaube ich die Ankerwinde zu hören, doch kurze Zeit später ist die Familie erneut auf der Suche. Es dauert etwa eine halbe Stunde bis man einen neuen Platz für die Nacht gefunden hat, mittlerweile geht es auf 23:00 Uhr zu. Parallel dazu verfolge ich die Pendelwegung unseres eigenen Schiffs, immer wieder passiert das Heck ein beleuchtetes Haus, das hilft bei der Abstandsabschätzung ebenso wie der Ankeralarm auf dem Smartphone. Als hätte er eine Ahnung, meldet sich per Whatsapp zwischendurch Peter, Präsi meines Segelvereins, und fragt, wie es beim Segeln läuft. Schön, wenn an einen gedacht wird! 🙂 Kurz nach Mitternacht kommt die Ablösung, gegen zwei Uhr lässt der Wind endlich spürbar nach und wir kommen zur Ruhe. Als Bojenlieger wäre die Nacht sicherlich entspannter gewesen…

Tourtag 6: ACI Marina Split

Am letzten Segeltag steht nach ausgedehntem Morgenprogramm die Rückkehr nach Split an. Zunächst geht es bei leichtem Wind Richtung Osten. Auf Halbwindkurs passieren wir die Gefahrentonne Plicina Mlin. Bevor wir der gut befahrenen Schifffahrtslinie nach Süden zu nahe kommen, drehen wir in die entgegengesetzte Himmelsrichtung ab. Hier draußen ist bereits einiges los! Uns passieren vor allem Schiffe, die von Osten kommend Richtung Trogir streben, bei der Gelegenheit kann man noch einmal ausgezeichnet die Vorfahrtsregeln und ihre nicht immer sichere Einhaltung studieren. Eine mit jungen Leuten besetzte Yacht zwingt uns zum Ausweichen, etwa fünfzehn Minuten später legen sie sich noch in Sichtweite mit einem Schlepper an, wogegen dieser laut und vernehmlich antutet. Je näher wir Split kommen, zeigt sich, dass auch dieser Hafen Freitag nachmittags Schiffe aus allen Richtungen anzieht. Wir steuern zweifellos auf einen sehr gut gefüllten Ort zu!

Erst tanken, dann ab in die Marina, so lautet das Standard-Prozedere am Ende jeder Segeltour. Beim letzten Mal in Griechenland war das keine große Angelegenheit. Aber als wir in das Hafenbecken einfahren, sehen wir ein riesiges Kuddelmuddel unterschiedlichster Sportboote vor uns. Von der Tankstelle ist überhaupt nichts zu sehen, ratlos drehen wir eine Runde, dann die Idee: Wir düsen sofort in die Marina und tanken am nächsten Morgen vor der Übergabe. Aber Pustekuchen, der linke Teil des Ducheinanders besteht aus Yachten, die alle in die Marina wollen. Das haben wir bislang noch nicht erlebt, eine Schlange vor der Marina! Also zurück zum Tanken.

Da hielt man noch ordentlich Abstand, direkt voraus unsere kroatische Führungsyacht, dahinter rechts die Luxusyacht, der wir zum Schluss sehr nahe kamen…

Auf der rechten Seite des Kuddelmuddels scheinen einige Yachten so etwas wie eine ordentliche Reihe bilden zu wollen, wir schließen uns an. Vor uns eine kroatische Yacht mit einer souveränen Skipperin, die das Gaspedal gekonnt per pedes bedient. Der folgen wir! Von der Seite versuchen sich immer wieder Neuankömmlinge oder Vordrängler in die Reihe reinzudrücken, da heißt es die Linie geschlossen zu halten. Die Kroatin vor uns hat keine Bange, mehrmals verscheucht sie lautstark selbst deutlich größere Motoryachten. Sehr langsam geht es voran, manchmal auch wieder zurück, alle Schiffführer sind gefordert. Und ausgerechnet jetzt fällt unser Bugstrahlruder aus und lässt sich nicht wieder reaktivieren (als wir am nächsten Tag den Schaden reklamieren wollen, läuft natürlich alles wieder einwandfrei…). Für Lutz bedeutet das am Ruder puren Stress, andere Yachten mit Bug- und Heckstrahlruder können sauber auf der Stelle manövrieren, wir müssen immer wieder zurück- und vorsetzen und werden mitunter von andern Seitenstrahlern einfach weggedrückt. Dammich!

Das haben wir uns verdient: Nach dem Festmachen geht es direkt ins Restaurant „Adriatic“. Das dort eine lautstarke Hochzeitsfeier stattfindet, stört uns nicht wirklich. Im Hintergrund liegt irgendwo unsere „Dorado“.

Langsam rücken wir weiter in Richtung Tankstelle vor, enger und enger wird das Durcheinander, irgendwann entschlüpft uns die kroatische Yacht durch eine Lücke. Die Boote stehen teilweise im rechten Winkel zueinander, wenn jetzt einer einen Fehler macht, wird das teuer! Die Segelyachten sind an den Säulen schnell durch, doch sobald eine Motoryacht festmacht, ist der Abschnitt längere Zeit blockiert. Nach vorheriger Abstimmung mit unseren Nachbarn wählen wir die INA-Säule ganz rechts und lassen der großen Motoryacht neben uns den Restbereich am Kai. In den letzten Minuten manövriert Lutz unsere Sun Odyssey auf engstem Raum zwischen dem noch tankenden Vorgänger und der Längsseite einer 50-m-Luxusyacht direkt hinter uns. Wahrscheinlich werden wir zur Vorbereitung der Schadensdokumentation bereits gefilmt… Gut, dass ich auf dem Vorschiff nur für die Einhaltung der Anlege-Reihenfolge zuständig bin. Reicht bei derartigen Zwischenfällen eigentlich die normale Skipper-Haftpflicht? 😉 Aber es endet natürlich alles gut! Nach 2,5-stündiger Wartezeit geht das Tanken dann sehr schnell, wir haben in einer Woche lediglich 38 Liter verbraucht. Trotzdem wird es schon dunkel, als wir endlich in die Marina einlaufen. Geschafft!

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