Faltboot-Tour auf der Lippe

Faltboot MTW Kolibri 4 als Einsitzer gefahrenAls Westfale hat man es in Sachen Wassersport nicht unbedingt leicht. Die Anzahl der geeigneten heimischen Flüsse und Seen ist überschaubar, außerdem besteht in NRW eine nicht zu unterschätzende amtliche Regulierungswut bezüglich der Gewässernutzung. Für unsere geplante zweitägige Eltern-Kind-Tour auf der Lippe ergibt sich die Streckenführung deshalb mit einer gewissen Zwangsläufigkeit: Lippstadt (Fluss-km 174,4) und Uentrop  (Fluss-km 138,0) sollen die Begrenzungspunkte des Flussabschnitts sein, den wir mit Vorschulkindern an Bord befahren wollen. Weiter östlich steht im Sommer für empfindliche Faltboothäute nicht immer genügend Wasser zu Verfügung, weiter westlich ist die Anzahl der pro Tag erlaubten Boote limitiert, was speziell an Wochenenden schnell zu einem Problem werden kann.

Ein zu niedriger Pegel macht am 22. & 23. Juni keine Probleme. Zwar ist die Wasserlinie seit dem Höchststand der Vortage um etwa einen Meter gesunken, doch liegt die Lippe nach wie vor knapp oberhalb des Mittelwasserstands. Der Fluss ist dementsprechend flott unterwegs und an den vorgesehenen Ein-/Ausstiegen zumeist reichlich matschig bis rutschig.

3 Faltboote am UferDa der lokale Kanutouren-Anbieter in Lippstadt die eigentliche Einsetzstelle mit einem Großaufgebot an Kanus und Teilnehmern bevölkert, bauen wir unsere Boote etwas abseits auf und legen später als vorgesehen kurz nach Mittag ab. Ziel der ersten Tagesetappe ist die Kesseler Mühle (Fluss-km 154,4) mit ihrem Zeltplatz auf einer Insel. Da 20 km im Boot den beiden mitfahrenden Kindern einiges abverlangt, sind drei Zwischenstopps geplant: Hier bieten sich der Landgasthof Lange in Benninghausen, die Steinschüttung nördlich Eickelborn und die Ein-/Aussetzstelle nahe Schloss Hovestadt an. Für die Besichtigung des Schlossgartens in Hovestadt fehlt uns leider die Zeit, man hätte wie immer früher losfahren sollen…

Probleme gibt es unterwegs lediglich mit dem Umsetzen an der bereits erwähnten Steinschüttung, die bei dem Wasserstand durchaus imponiert. Im linken Seitenarm der Lippe existiert hier eine aus Bruchsteinen gemauerte Bootsrutsche, nicht nur laut Jübermann-Karte eine Fehlkonstruktion. Auch Festkörperbooten droht bei Durchfahrt erheblicher Schaden, an Faltboote mag man gar nicht denken… So aufwendig die für uns nutzlose Bootsrutsche gebaut ist, so rudimentär fällt dagegen die alternativ vorgesehene Stelle zum Umtragen aus. An diesem Ort besteht durchaus noch Optimierungsbedarf.

Der Rastplatz an der Kesseler Mühle gefällt Kindern und Erwachsenen sehr gut, ebenso Abendessen und Frühstück im gleichnamigen Gasthof. Lediglich der Weg vom Zeltplatz zum Sanitärbereich könnte kürzer sein, aber für eine Übernachtung ist das kein Problem.

2 Faltboote auf der LippeAm Folgetag verlassen wir die Kesseler Mühle an der gleichen Stelle, wo wir zuvor ausgestiegen waren. Ein Bootswagen ist hier zu empfehlen, muss das Boot doch jeweils über die Lippebrücke bewegt werden. Es existiert zwar auch eine Einsetzstelle direkt am Camping-Platz, doch erweist sich diese beim aktuellen Wasserstand als problematisch. Und außerdem wollen wir durch den geöffneten Schleusenkanal an der Mühle rauschen, ein ganz eigenes Erlebnis. Wer noch nie Wildwasser gefahren ist, kann hier für einige Sekunden seine ersten Gehversuche wagen. Kommt man im engen Kanal den Seitenwänden dabei zu nahe, sollte mit dem Paddel beherzt Abstand gehalten werden! Mein altes Holzpaddel aus DDR-Zeiten verkraftete dies klaglos.

Wildgänse auf der LippeWar das Wetter am Samstag trotz teilweise drohender Wolken trocken geblieben, kündigt sich der Sonntag wie vorhergesagt mit Regenschauern an. Angesichts des sich verschlechternden Wetters und zunehmenden Gegenwinds einigen wir uns vor der Abfahrt darauf, die Etappe zu verkürzen und am einzigen möglichen Zwischenausstieg bei Lippborg auszubooten. Bis dorthin präsentieren sich Lippe und Wetter noch einmal von ihrer schönen Seite, unterwegs geraten wir sogar in eine Gruppe Wildgänse, die bis auf 2 Meter an die Boote herankommen. Doch kurz nach dem Ausstieg nahe der Quabbe-Mündung setzt verstärkter Niederschlag ein. Glücklicherweise gelingt es uns noch die Ausrüstung im Auto zu verstauen, bevor gegen 15:00 der erste Starkregen des Tages niedergeht.

Fazit: Mein erster Paddelkontakt mit der Lippe fällt positiv aus. Ein schöner Fluss, der nicht zuletzt durch die Renaturierung des Stroms immer wieder neue Eindrücke vermittelt. Das Anlanden ist zwar an vielen Streckenabschnitten verboten, doch finden sich auf der gefahrenen Strecke trotzdem genügend Ausstiegsmöglichkeiten und teilweise sogar Badestellen. Ein wichtiger Faktor, hat man wie wir Passagiere mit erheblichem Bewegungsdrang an Bord.

Bei Planung und Durchführung der Tour habe ich auf folgende Hilfsmittel zurückgegriffen:

  • Online-Flussführer NRW: Hier finden sich zu allen relevanten Flüssen in NRW aussagekräftige Flussführer in Tabellenform. Die Anmeldung ist für DKV-Mitglieder kostenlos.
  • Jübermann-Karte Lippe: Hilfreich und informativ bei der Planung. Vermittelt unterwegs stets einen zuverlässigen Überblick über die Route.
  • Garmin Fenix: Luxus? Unnötiger Schnickschnack? Auf jeden Fall hilfreich. Ich hatte diverse Wegpunkte in der Uhr mit Beschreibungstext („Ausstieg rechts vor der Brücke“) abgespeichert. Und war so unterwegs bei Bedarf stets schnell informiert, wie weit der nächste relevante Tourpunkt noch entfernt ist.

Streckenbeschreibung mit Karte »

1 Stimme

6 Gedanken zu „Faltboot-Tour auf der Lippe“

    1. Am Samstag nachmittag kamen mal 10, 20 Tropfen runter. Aber ansonsten hatten wir Glück bis zum Ausstieg am Sonntag nachmittag. Trotzdem ist mir mal wieder klar geworden, dass man in heimischen Gefilden auch im Sommer stets mit Regen rechnen muss. Für ein Boot hatte ich keine Spritzdecke dabei, das passiert mir beim nächsten Mal nicht mehr… 😉
      Grüße, Rolf

      1. Spritzdecke, Spritzdecke, wir sind im Canadier immer ohne Spritzdecke unterwegs. da muß man sich dann halt entsprechend wasserfest anziehen und schöpfen.

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