Das Thema Installation von OSM2Go wird weiter unten behandelt.
Die Bearbeitung des OpenStreetMap-Kartenbestands erfolgt in der Regel in zwei Schritten: Zunächst einmal erfasst man in der freien Natur geografische Daten, sei es nun mit einem GPS-Empfänger, Zettel & Bleistift oder auf andere Weise. Anschließend werden die gesammelten Informationen am heimischen Computer mittels eines geeigneten Editors (JOSM, Potlatch etc.) in die OSM-Datenbank eingepflegt.
Für umfassendere Kartografier-Vorhaben bleibt dieses Verfahren auch weiterhin erste Wahl. Doch manchmal geht es nur darum, kleinere Erweiterungen bzw. Änderungen durchzuführen oder einfach den vorhandenen Datenbestand mit der Realität abzugleichen. In solchen Fällen erscheint das zuvor beschriebene Prozedere mitunter überdimensioniert.
An dieser Stelle setzt das aus Nokias Maemo-Projekt hervorgegangene OSM2Go an, das den eigentlichen Arbeitsprozeß zusammenfasst und vereinfacht. Vorausgesetzt, Sie verfügen über ein geeignetes, Linux-basiertes Mobilgerät (Netbook, Mobiltelefon wie z.B. Nokias N900) sowie einen GPS-Empfänger, lassen sich Datenerfassung und deren Einpflege in die OSM-Datenbank nahezu zeitgleich erledigen. Das Prinzip ist immer das Gleiche:
Das angelegte Projekt kann natürlich weitererwendet werden um weitere Bearbeitungen durchzuführen. Zuvor wird jeweils wie oben beschrieben der lokale Datenbestand per OSM-Download aktualisiert.
Eine gut gemachte Anleitung für den OSM2Go-Editor findet sich bei ubuntuusers.de. Die Anleitung sollte auch Nutzern anderer Linux-Distributionen weiterhelfen.
So einfach das Proramm zu bedienen ist, die Installation von OSM2Go stellt den durchschnittlichen Linux-Nutzer nicht selten vor Probleme: In den offiziellen Repositories ist das Programm (noch) nicht verfügbar, und die für Debian und Ubuntu verfügbaren deb-Pakete hinken zumeist deutlich hinter dem aktuellen Entwicklungsstand her. Um das reibungslose Funktionieren der Applikation zu gewährleisten, sollte man jedoch keine zu alten deb-Pakete verwenden. Also bleibt nur eine Lösung: selber kompilieren!
Bislang habe ich stets versucht, das Kompilieren von Programmen unter Linux zu vermeiden. Der Charme von Debian & Ubuntu besteht m.E. vor allem darin, dass es neben den Repositories die deb-Pakete zur einfachen Installation gibt. Für OSM2Go musste ich mich nun erstmals mit dem Kompilieren befassen, und was soll ich sagen: Das Ganze war inkl. Lesen der vorhandenen Erklärungen nach 15 Minuten erfolgreich beendet. Wichtig: Drucken Sie sich zuallererst die hervoragende Anleitung über die Kompilierung von Paketen unter www.ubuntuusers.de aus. Anhand dieses Musters gehen wir weiter vor. Und so geht es:
Wurde die Kompilierung erfolgreich abgeschlossen, findet sich (zumindest unter Debian & Ubuntu) im Quellverzeichnis eine deb-Datei, die per "Doppelklick" installiert werden kann.
An dieser Stelle möchte ich nicht auf das relativ einfache Handling der Software eingehen, welches in der oben erwähnten Anleitung unter ubuntuusers.de gut beschrieben ist. Vielmehr möchte ich meine ersten praktischen Erfahrungen schildern:
Das Programm legt für jedes Projekt im Home-Verzeichnis des Users ein eigenes Unterverzeichnis an:
/home/USER/.osm2go/PROJEKTNAME
Darin findet sich zunächst die Konfigurationsdatei PROJEKTNAME.proj im XML-Format sowie die Datei PROJEKTNAME.osm mit den zugehörigen OSM-Daten.
Sobald im Kartenfenster Änderungen durchgeführt und diese gespeichert werden, erzeugt die Anwendung eine zusätzliche XML-Datei PROJEKTNAME.diff, welche die Änderungen gegenüber dem heruntergeladenen Live-Bestand dokumentiert.
Lässt man im Betrieb den GPS-Track mitlaufen (Track -> GPS follow), wird dieser in die Datei PROJEKTNAME.trk im GPX-Format geschrieben.
Die praktische Bearbeitung im Kartenfesntser hat während meiner bisherigen Tests reibungslos funktioniert. Die Uploads der bearbeiteten Daten während kurzer Testphasen ebenfalls. Der erste "echte" Einsatz ging dann aber völlig daneben: Ich hatte Freitags gegen 14:00 Uhr das Projekt mit dem Live-Bestand von OSM abgeglichen. Am nächsten Tag erfolgte die Bearbeitung der Daten mit angeschlossenem GPS-Empfänger nachmittags vor Ort. Am späteren Abend versuchte ich dann, den geänderten Datenbestand auf den OSM-Server hochzuladen.
Das während des Uploads ablaufende Kontrollskript zeigte mehrfach an, dass von mir geänderte Daten nicht übernommen werden konnten, anschließend stürzte das Programm ab. Der Neustart von OSM2Go gelang danach nicht mehr. Da die Kontrollausgabe bis zum Absturz nur einmal kurz ablief, ist eine Fehleranalyse kaum möglich. Soweit ich den durchlaufenden Text richtig erfasst habe, hat es zwischen den Live-Daten von OSM und der im Projekt abgespeicherten älteren Version Unstimmigkeiten gegeben. Leider konnte ich den Fehler mangels Gelegenheit bislang nicht replizieren, werde dem aber nachgehen.
Um OSM2Go wieder in Betrieb nehmen zu können, musste ich die .trk- und .diff-Dateien aus dem Verzeichnis entfernen. Nach dem anschließenden Abgleich der Projektdaten mittels Download ließen sich Änderungen anstandslos durchführen.