Mit Navit auf der Straße

Eine funktionierende Routing-Software auf die Beine zu stellen ist ein anspruchsvolles Unterfangen. Dementsprechend übersichtlich ist der Kreis ernstzunehmender Anbieter. Das Navit-Projekt hat sich die Aufgabe gestellt, mit den Mitteln der Open Source-Szene eine konkurrenzfähige Routing-Applikation zu entwickeln. Das bedeutet viel Arbeit und einen entsprechend großen Zeitaufwand, der hauptsächlich von Freiwilligen geleistet wird. Diese Tatsache sollte nicht vergessen, wer sich mit Navit beschäftigt. Gleichwohl muss sich die Software im Alltag bewähren, ansonsten bleiben proprietäre Produkte die bessere Lösung.

Obwohl Navit aktuell erst die niedrige Versionsnr. 0.1.0 erreicht hat, handelt es sich seit Längerem um eine in den Kernfunktionen stabile Anwendung.

Navit ist eine offene Software, d.h. sie ist weder in Bezug auf Hardware noch auf das verwendete Kartenmaterial festgelegt. Ich verwende Navit auf einem Asus Eee 701 (der Mutter aller Netbooks...) mit Ubuntu-Linux, einer Holux-Maus und der OpenStreetMap-Karte von Deutschland. Die nachfolgenden Äußerungen beziehen sich auf dieses System, andere Kombinationen zeitigen eventuell abweichende Ergebnisse!

Funktionsumfang

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Kartenmaterial

Hier spielt Navit seine große Stärke aus, bereits jetzt lassen sich Karten aus unterschiedlichen Quellen nutzen: OpenStreetMap, Marco Polo, Map&Route, etc. Vorbei sind damit auch die Zeiten, in denen mit Erscheinen der nächsten Version einer Navi-Software die Karten-Updates für die Vorgängerversion endeten. Dank Open Source droht hier kein unternehmerisch bedingtes Ende für die Schnittstellen zwischen Navit und dem Kartenmaterial.

Kartendarstellung

Es existieren verschiedene Ausgabe-Optionen, stabil scheint allerdings nur die Visualisierung mittels GTK zu funktionieren. Dieser fehlt etwas die Eleganz proprietärer Lösungen, dennoch: Es werden alle relevanten Kartendaten gut erkennbar angezeigt, die Karte lässt sich problemlos skalieren und verschieben.

Routing

Die Routingfunktionalität arbeitet auf den ersten Blick gut: Routen - sofern sie nicht zu lang sind - werden zügig ermittelt und gut erkennbar dargestellt. Bezüglich der Ansicht kann man zwischen den üblichen Varianten "Fahrtrichtung oben" und "Norden oben" wählen. Fahrtdauer und -entfernung werden ebenso angezeigt wie die geschätzte Ankunftszeit (ETA). Weicht man vom vorgegebenen Kurs ab, berechnet Navit umgehend eine neue Strecke. Wichtiges Detail: Man sollte im Menü Anzeige die Option "Auf Straße zeigen" aktivieren. Ohne diese Option gab es bei mir wiederholt Probleme mit der Routenführung, da sich die Positionsmarke sehr "nervös" verhielt.

Audio-Ausgabe

Die Sprachausgabe erfolgt stabil, allerdings durch eine synthetische Stimme. Im Gegensatz zu proprietären Lösungen, bei denen alle benötigten Texte als Audiodateien vorliegen, erzeugt Navit seine Sprachmitteilungen unter Verwendung eines Hilfsprogramms aus Texten. Es bedarf deshalb einer gewissen Übung, um die Stimme jederzeit gut zu verstehen. Hat man sich an die synthetische Stimme erst einmal gewöhnt, liegt der Vorteil auf der Hand: Das Programm spricht jeden Straßennamen bei der Routenführung aus, davon kann man bei TomTom & Co gegenwärtig nur träumen...

Moving Map

Hat man in der Datei navit.xml dem vehicle-Tag die Attribute follow="1" und update="1" zugeordnet, lässt sich die Moving Map-Funktionalität nunmehr nutzen. Die Karte verschiebt sich sich unter der Markierung für die eigene Position. Praktisches Detail: Das in Fahrtrichtung liegende Kartensegment ist größer als das hinter dem Cursor befindliche. Das kenne ich so von keiner anderen Anwendung.

Zielsuche

Die Funktionalität zur Zielsuche ist einfach und intuitiv nutzbar. In einem Dialogfenster gibt man erst den Ort, dann Straße und Hausnr. ein. Das Ergebnis lässt sich direkt als Ziel auswählen oder als Lesezeichen ablegen, falls dieses häufiger benötigt wird. Da u.U. große Datenbestände zu durchsuchen sind, sollte man Navit hier ausreichend Zeit einräumen; überhastetes Klicken führt mitunter zum Absturz oder Einfrieren der Applikation. Falls man vor Fahrtbeginn die Gelegenheit hat, empfiehlt es sich deshalb, den Zielort als Lesezeichen einzutragen.

Sonderfall OSM

Aufgrund der Verzeichnisstruktur im OSM-Projekt erweist sich die Suche nach Zieladressen bei Verwendung von OSM-Karten als problematisch: Nicht auf alle Adressen kann zugegriffen werden, darüber hinaus ist bei gleichlautenden Ortsnamen die Identifizierung nicht eindeutig möglich. Sollte es bei der Zielsuche über das Dialogfenster Probleme geben, bleibt einem nichts anderes übrig, als den Zielort zunächst in der Karte zu suchen und dann als Ziel oder Lesezeichen anzulegen. Dies ist schnell erledigt, allerdings muss man wissen, wo der Zielort liegt...

Das Handling

Navit präsentiert sich nach dem Start mit einem aufgeräumten Bildschirm: drei Menüpunkte, eine Symbolleiste und die Kartenansicht. Menü und Symbolleisten enthalten teilweise die gleichen Optionen. Wichtigste Elemente sind die mit einer Zielflagge symbolisierte Zielsuche, die Zoom-Buttons sowie im Menüpunkt Karte die Optionen bezüglich der Ausgabevarianten! Viel mehr Funktionalitäten stellt das Programm nicht zur Verfügung. Das mag dem versierten Nutzer etwas mager erscheinen, doch erleichtert dies eindeutig die Bedienbarkeit!

Nach Eingabe des Ziels berechnet Navit (in der Regel) zügig die Route und blendet sie farbig gefasst im Kartenfenster ein. Ist die sehr zu empfehlende Moving Map-Funktionalität aktiviert (s.o.), verbleibt die eigene Positionsmarke stets im Zentrumsbereich des Fensters. Alternativ kann man aber auch eine statische Kartenansicht wählen, bei der automatisch zur jeweiligen Folgeseite weitergeblättert wird. Die Kartenskalierung arbeitet während der Navigation zuverlässig.

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Kreisverkehr funktioniert nun!

Das zeitweise größte Manko - die Inkompatibilität zwischen Navit und OpenStreetMap in Bezug auf Kreisverkehre - wurde inzwischen erfolgreich beseitigt! Damit ist die Software endlich produktiv für Routing-Aufgaben nutzbar.

Kommentare

6 Kommentare

Seite 1 von 1 1

#4 Rolf schrieb am 10.05.2009 21:38 answer

@Peter: Nur der Ordnung halber - habe inzwischen per E-Mail geantwortet

#3 Peter schrieb am 08.05.2009 13:40 answer

Hallo Rolf Bartusel,

leider kan ich bei mir im Ortner navit keine navit.xml finden er zeigt mir nur eine Ortner an mit Namen "xmp"

Kanst Du mir weiterhelfen Danke!

meine e mail Adresse:<snip>

#5 Claudia schrieb am 12.12.2011 15:50 answer

Gleiches Problem habe ich auch

#2 Rolf schrieb am 28.04.2009 08:55 answer

@lambo: Danke für den Tipp. Werde ich ausprobieren, wenn ich wieder mit dem Auto unterwegs bin. :)

[Nachtrag 26-05-2009] Wie sich im Artikel oben nachlesen lässt, klappt die Moving Map inzwischen problemlos.

#6 bcephoanjf schrieb am 03.02.2012 18:37 answer
#1 lambo schrieb am 24.04.2009 18:43 answer

Danke für diese hilfreichen Seiten. Bei mir funktioniert die Moving Map mit folgenden Attributen im Tag "vehicle" in der navit.xml (unter gtk):

follow="1"

update="1"

Die ersten Versuche diesbezüglich haben nicht funktioniert, da ich ein Attribut namens "refresh" anstatt "update" benutz habe (aus einem älteren Tutorial)

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