Testumgebung:
Hardware: HTC Desire HD
Betriebssystem: Android 2.2 ("Froyo")
Navit Version 0.5.0-4281
Bislang beschränken sich meine praktischen Erfahrungen mit Navit auf ein Linux Netbook (Asus Eee PC 701). Die Installation dort gestaltet sich anspruchsvoll, regelmäßige Updates machen gelegentlich eine Überarbeitung der Konfigurationsdatei nötig. Also: Nichts für Ungeübte! Um so mehr überraschte mich die Ansage, dass eine Android-Version von Navit erschienen ist. Steht das Betriebssystem von Google doch dafür, einfach zu handhabende Applikationen anzubieten. Das musste ich ausprobieren.
Über die Android Market App auf dem Desire HD ist Navit bislang nicht zu finden. Dagegen klappt die Suche über den Market im Web problemlos. Die Installation erfolgt android-typisch mittels des Install-Buttons, die App belegt anschließend 10 MB im Gerätespeicher.
Als nächster Schritt ist über den Menü-Button des Mobiltelefons die erste Karte herunterzuladen. Hier werden nach Kontinenten sortiert eine Vielzahl fertiger Maps angeboten. Eine freie Implementierung beliebiger Kartenausschnitte ist auch möglich, die im Navit Map Extractor generierte bin-Datei ist hier abzulegen:
/sdcard/navit/navitmap.bin
Ich entscheide mich für die angebotene Deutschland-Karte mit 921 MB, welche automatisch auf der SD-Karte landet. Der Download über das WLAN dauert ein wenig, klappt aber anstandslos. So weit, so gut.
Die Installation lief wohltuend unspektakulär ab, dieser Eindruck setzt sich bei der ersten praktischen Nutzung fort: Unmittelbar nach Programmstart ist die Karte geladen und die eigene Position mit einem grünen Kreis-Symbol markiert. Nichts erinnert an die teilweise mühsame Implementierung des GPS-Empfängers unter Linux. Hier scheint die einfache Anbindung des GPS-Signals über die Android-Schnittstelle einen wesentlichen Stolperstein für Anfänger zu beseitigen.
Konfigurationsbedarf besteht zunächst einmal keiner. Navit funktioniert nach dem Start out-of-the-box. Basisangaben können sich über den Menü-Button geändert werden. Wem die alte navit.xml fehlt, muss aber nicht verzweifeln: Diese kann aus der .apk-datei extrahiert und zur Bearbeitung unter /sdcard/navit/navit.xml abgelegt werden. Wer dies vor hat, sollte aber wissen, was er/sie tut. Und auf jeden Fall hier nachsehen:
wiki.navit-project.org/index.php/Navit_on_Android
Applikation installiert, Karte vorhanden und Position wird angezeigt? Gut, dann kann es ja losgehen: Lange Zeit mussten Navit-Nutzer damit leben, dass die Eingabe der Zieladresse mehr oder weniger zäh, fehlerhaft oder auch gar nicht funktionierte. Dies lag weniger an Navit, sondern vielmehr an OpenStreetMap, dessen Adressenimplementierung nicht unbedingt für Performanz sorgt. Hier versprechen die Navit-Macher inzwischen eine deutliche Verbesserung ("OSM search has been enhanced"). Das gilt es zu überprüfen.
1. Test: Standort Münster Innenstadt. Zielort: Östlicher Münsteraner Außenbezirk. Hier lerne ich bald eine neue Funktion kennen. Der Menüpunkt Adresse suchen eignet sich (noch) nicht wirklich für eine detaillierte Sucheingabe. Stattdessen ist folgendes Verfahren zu empfehlen:
Nach wenigen Sekunden ist die Route berechnet und eingeblendet. Die synthetische Navigationsstimme gibt ihre erste deutlich verständliche Fahranweisung.
2. Test: Der Zielort liegt etwas über 40 km entfernt in einem Dorf, die Strecke führt über mehrere Bundes- und Kreisstraßen. Die Berechnung der Route dauert weniger als 5 Sekunden. Als Referenz dient Google Maps. Anders als Google Maps möchte mich Navit ein kurzes Stück über die A1 führen. Die Streckenlänge unterscheidet sich dadurch nicht nennenswert, eventuell ist Navits Lösung sogar etwas schneller.
Am Zielort führt mich die App allerdings im wahrsten Sinne des Wortes "einmal um den Kirchturm" ins Dorf. Das bedeutet keine nennenswerten Mehrweg, doch trotz korrekter Straßenanbindung in OpenStreetMap nimmt Navit hier nicht den direkten Weg.
3. Test: Jetzt geht es weit weg in Deutschlands Südwesten. Ein Vorort von Freiburg ist das Ziel. Die Routenberechnung erfolgt wieder sehr schnell, nach 5 Sekunden steht die Strecke. Die Entfernung (ca. 540 km) stimmt mit Google Maps überein. Navit führt relativ simpel über A1, A45 und A5. Google plant da etwas komplexer, auch die A67 und A6 werden einbezogen. Eventuell verfügt Google hier über routenrelevante Zusatzinformationen (Baustellen, Staugefahr), auf die Navit systembedingt nicht zugreifen kann. Nichtsdestotrotz: Die Routenführung ist stimmig, mit dem Atlas auf den Knien wäre u.U. eine deutlich ungünstigere Strecke herausgekommen.
Nachdem der stationäre Praxis-Test erfolgversprechend ausgefallen ist, geht es nun auf die Straße. Navit soll im Stresstest seine Qualitäten unter Beweis stellen - diverse Ziele Samstags vormittags in und außerhalb von Münster. Wiederholt und mit Absicht wird von den vorgesehenen Streckenführungen abgewichen, um die Reaktionen der App zu überprüfen.
Meine Erwartungen sind nicht besonders hoch angesiedelt: Nachdem einen Tag vor dem Sommerurlaub 2010 mein XDA Orbit2 und damit TomTom den Geist aufgegeben hatten, musste ich damals mangels Alternative kurzfristig auf die Kombination Navit/Eee 701 setzen. Das Ergebnis war häufig frustrierend: Navit lief auf dem - zugegeben leistungsschwachen - Eee PC nur schwerfällig, eine automatische Neuberechnung vom System einmal festgelegter Routen war offenbar nicht vorgesehen.
Ein halbes Jahr später ist auf dem HTC Desire HD davon nichts mehr zu spüren. Fix werden Routen berechnet, Anpassungen der Streckenführung bei Abweichungen vom vorgegebenen Kurs erfolgen innerhalb von Sekunden: die App stabil, die Karte gut ablesbar und die synthetische Stimme jederzeit gut verständlich! Kurz (nun ja, wirklich nur kurz) keimt der Verdacht, ob ich nicht aus Versehen Google Maps gestartet habe...
Fazit: Auch wenn die Navit-Macher nach wie vor auf die niedrige Versionsnummer hinweisen und meine bisherige Testphase nur knappe 2,5 Std. umfasst, die Navit-App unter Android scheint definitiv den Kinderschuhen entwachsen. Morgen werde ich sie zum ersten Mal produktiv (d.h. für einen Kundentermin) nutzen!
[Nachtrag, 14.03.2011] Heute habe ich mich 25 km über Land führen lassen. Das Routing war tadellos, aber wohl auch nicht all zu schwierig. Unterwegs habe ich auch einen Grund gefunden, warum mich die App an Googles Navi erinnert: Die verwendete synthetische Frauenstimme scheint aus der gleichen Android-Quelle zu stammen. Zwei Details: Navit findet nur Straßen, die sich auch befahren lassen (Fußgängerzonen existieren somit offenbar nicht) und eine Hausnummern-Unterstützung scheint OSM-bedingt nach wie vor kaum existent.
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Ich nutze Navit seit einiger Zeit auf einem Asus PDA mit WM5.
Aktualisiere von Zeit zur Zeit immer auf die neueste Entwicklerversion SVN ...
Bin bislang zufrieden, Hausnummernavigation klappt nicht wirklich, aber ist zu verschmerzen. Dafür sehr hoher Detailreichtum.
Auch die Routenführung gäge es noch zu verbessern wie oben angedeutet, oder die bisweilen irreführende Sprachführung "jetzt leicht links abbiegen" ... dabei muss man rechts abbiegen. Dabei ist nur die Kreuzung in einer leichten Linkskurve. Aber auf dem Display ist es richtig dargestellt.
Mapfactor Free nutze ich parallel und das hat auch seine kleinen Tücken.
Insgesamt ist mir der Vorteil der unerreicht aktuellen Karten des OSM Projektes wichtiger als ausgefeilte Routenführungen, welche vielleicht noch die letzte Minute herausquetschen (können sie nämlich nur, wenn sie nicht wie üblich schon im Auslieferungszustand Jahre schon alt sind, und die neuesten Straßen schlicht fehlen)
Was mich interessieren würde, da ich auch an einer Android Lösung überlege, wird die Navigationsanweisung auch beim Smartphone per Bluetooth in das Headset übertragen? bei meinem PDA ist das kein Problem mit Navit, andere Navigations-Apps auf Smartphones scheinen da ein Problem zu haben. Siehe hier
http://handyforum.samsung.de/sgh-i780/p46746-bluetooth-headset-navi-ansagen/?highlight=bluetooth+navi#post46746
Denn mir ist das wichtig, da ich die Ansagen per Bluetooth in den Motorradhelm übertrage, was bei den üblichen Navis nur die richtig teuren Motorradnavis TomTom Rider oder Garmin ZUMO können. Bei diesen wird das Handy erst mit dem Navi gekoppelt, und das Navi dann erst mit dem Headset. Bei eingehenden Anrufen managt dann das Navi die Bluetoothkommunikation.
Hier müsste das Smartphone dann das managen zwischen Navi-App und Telefonteil bzw die Navi-App das für das Smartphone übernehmen.
Alternativ das Telefon ausgeschaltet bleiben.
Wer weiß da etwas?
habe Navit nun seit 12.04.2011 laufen. Es hat
mich noch nie verlassen. Manchmal verhaspelt
es sich mit der Sprache. Verfährt man sich
ist das durch die schnelle Neuberechnung der
Route nicht so schlimm. Gut, ein Navi ist ein
Navi, aber dieses Programm ist kostenlos und
bringt einen auch ans Ziel, auch wenn kleine
Orte nicht drinn sind. Ich bin zufrieden.
MfG Matthes
Ich habe bei navit die Einbindung von Live-Verkehrsdaten vermisst. Nachdem ich aber die bescheidene Qualität eines solchen Dienstes im Navigon MobileNavigator für Android erleben durfte, relativiert sich dieser Mangel aber erheblich.
Etwas problematisch finde ich nach wie vor die Ortssuche. In DE geht's, im Ausland teilweise aber nicht zu begrauchen.
navit ist als kostenloses Navi sehr gut. Kann man und wie die Größe der Straßennamen ändern? Beim Zoomen bleibt sie klein. Die Schrift ist ganz schön klein. Wahrscheinlich in xml-Datei, aber wo.
Danke für eine Info.
Gruß S. Matthes
Bei der Linux-Version kann man in der XML-Datei jeden Pups ändern. Wie weit das unter Android möglich ist, vermag ich nicht zu sagen. Auf jeden Fall gibt es die Möglichkeit, eine eigene XML-Datei anzulegen, das wird oben kurz erwähnt. Weitere Infos finden sich hier:
http://wiki.navit-project.org/index.php/Navit_on_Android#navit.xml
Hab dort gerade nachgesehen, ja es scheint zu gehen:
<text text_size="15"/>
hallo rolf,
erstmal danke. Hab in die navit.xml geschaut.
<text text_size= gibt es ja massenweise. Bin kein Programmierer. Das Ändern traue ich mir
zu, aber was und wo??? Stellen, wo Street
vorkommt gibt es auch mehrere.
Kannst du mir da weiterhelfen?
Gruß Steffen
Hallo Rolf und wen es noch interessiert,
habe schon mal selbst experimentiert und den Tipp mit „<text text_size=“ ausprobiert. Ist etwas Popelei und vielleicht etwas umständlich von mir gemacht, ich bin auch kein Spezi bzw. Programmierer, aber funktioniert. Navit.xml mit Texteditor geöffnet. In Suchfunktion eingegeben: <text text_size= und mit Taste F3 durchsucht. Man muss vor dem Befehl “<text text_size=” folgenden Text finden: item types=highway_city, highlway_land, street_4_land, street_n_lanes. In <text text_size="hier steht 8 oder 9"/> habe ich auf 15 geändert. Die Folge item types=highway_city, highlway_land, street_4_land, street_n_lanes taucht 15 mal in der Datei auf, also 15 mal den Wert 15 setzen. Die Schrift auf der Karte ist nun größer. Die Änderungen dürften die Navi-gation ja nicht beeinträchtigen. Morgen fahre ich zum Test nochmal eine Route ab.
Gruß Steffen
Und schon ist man mitten drin, im Thema... ;-) Viel Spaß mit der Navi!
Ich noch einmal: ich hab mir noch eine karte geladen. Jetzt lässt sich das Programm nicht mehr starten. stürzt immer ab, nur die Schalter blitzn kurz auf.
Kenne ich... ;-)
Die Anbindung der Karte an das Programm scheint noch etwas heikel zu sein. Geht da etwas schief, hilft es meiner Erfahrung nach, die Karte samt Navit-Verzeichnis zu löschen, das Handy (und damit Navit) einmal neu zu starten und dann die Karte neu zu installieren.
Klappt auch das nicht, muss Navit deinstalliert und dann der geschilderte Vorgang durchgeführt werden. Damit hae ich es bislang immer wieder hinbekommen.
Hast du schon mal mit Navit mit Skobbler verglichen? Wie sind da deine Erfahrungen?
Ich hatte Skobbler kurzfristig installiert, dann aber wieder entfernt, da es auch im abgeschalteten Zustand massiv Akkuressourcen verbrauchte. Scheinbar ein Bug, den ich vor einiger Zeit auch gemeldet habe. Bei meinem letzten Test vor zwei Wochen trat das Problem aber nach wie vor auf.
Unabhängig davon: Beide nutzen zunächst einmal die gleiche Datenquelle - OSM. Skobbler verfolgt allerdings einen Community-Ansatz, den es bei Navit so nicht gibt. Mir erscheint die Skobbler-App insgesamt komplexer, auch in der Oberfläche. Navit fokussiert dagegen auf das Wesentliche: Bringe mich von A nach B. Insbesondere Nutzer, die die Navi-Lösung nur selten benötigen, finden zu Navit m.E. deshalb schneller Zugang.
Was ist den nun mit den Hausnummern? Gehn die oder nicht? MfG Ströbel
Ich habe bereits mehrfach nach Hausnummern gesucht, die definitiv in der OSM-Karte existieren. Treffer bislang keine. Ich vermute deshalb, dass die Suche nach Hausnummern (noch) nicht unterstützt wird. "Noch", weil die Sucheingabe in Navit explizit Hausnummern vorsieht!