MTW Delphin 150 – Ende eines Restaurationsprojekts

Es hat länger gedauert als geplant, sogar sehr viel länger, doch jetzt ist er fertig: Am vergangenen Wochenende ist aus vielen geleimten, gesägten, gebohrten, genähten, geklebten, geschraubten, neugebauten und letztlich vor allem geschliffenen sowie lackierten Einzelteilen die Delphin 150-Faltjolle von MTW neu entstanden. Zu Beginn hatte ich etwas Sorge, ob alles wieder zueinander passt, unterwegs waren während des Aufbaus auch zwei, drei nachträgliche Änderungen nötig, doch dann fügen sich die Gerüstteile ineinander und in die Haut hinein. Auch der knapp 6 m hohe Mast passt problemlos in die Halterung und präsentiert würdig das original 80er-Jahre Segel in grau und rosa. Ein bisschen Miami-Style aus der ehemaligen DDR?

Ursprünglich hatte ich vier bis fünf Monate für die Restauration angesetzt. Geworden sind es tatsächlich fast 3 Jahre. Man vergisst bei der Planung derartiger Projekte offenbar ganz gerne, dass es noch ein sonstiges Leben gibt mit Familie, Beruf, Terminen, Verpflichtungen und anderen Faltbooten… Auch die Materialbeschaffung stellte eine mitunter zeitintensive Herausforderung dar. Und wer nicht über üppige Werkstatträume verfügt, sollte einplanen, dass die zahlreichen Holzteile nicht alle auf einmal bearbeitet, geschliffen und lackiert werden können. Allein der finale Lackauftrag erstreckte sich in meinem Fall über ein halbes Jahr.

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Nach etwa 15 Minuten.

Der erste Aufbau zog sich erwartungsgemäß recht lange hin, die alte Aufbauanleitung mit kleinteiligen S/W-Bildern war zunächst mit der bunten Realität eines Oldtimer-Bootes abzugleichen. Wer bereits praktische Erfahrungen mit MTW-Booten gesammelt hat, tut sich dabei deutlich leichter. Insbesondere der reich bestückte Stevenschirm beschleunigt den Aufbau signifikant: Bereits nach 10 Minuten ist das entststehende Boot in seinen Grundzügen erkennbar. Doch man darf die daran anschließenden Arbeiten nicht unterschätzen, das Gerüst besteht aus vielen Einzelteilen, einschließlich geteilter Spanten und Bodenplatten. Und auch das Auftakeln braucht seine Zeit, man hat es hier schließlich nicht mit der Leichtgewichts-Ausstattung eines Faltkajaks zu tun. Das machen spätestens die aus Draht gefertigten und mit einem robusten Spannmechanismus versehenen Wanten & das Vorstag klar.

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In voller Pracht, es fehlt das Wasser.

Im Hinblick auf die Großschot habe ich mit der klassischen Verbindung über Schotring und Bodenplatte mit Umlenkrollen experimentiert, bin dann aber zur vom Hersteller vorgesehenen  Lösung einer Dreieck-Schotführung über die beiden Augbolzen am hinteren Ende des Waschbords und die Baumnock zurückgekehrt. Diese Lösung wird in Paul Barnes empfehlenswerten Handbuch „The Dinghy Cruising Companion“ als gut funktionierend genannt und es bleibt so mehr Platz in der Plicht.

Nachdem man sich mit dem Gerüst praktisch vertraut gemacht hat, gelingt der komplette Abbau innerhalb einer halben Stunde. Für den Aufbau sollten aber auch erfahrene Faltjollen-Freunde mindestens eine Stunde einplanen, eher etwas mehr. Während der Sommermonate empfiehlt es sich deshalb, das 3,70 m lange Boot nach Möglichkeit aufgebaut zu lagern, in den Rumpf passen alle sonstigen Teile, auch der zerlegbare Mast. Bezüglich des Transports finden sich im Netz verschiedene Lösungen: Vom Autodach bis zum Jollen-Trailer reicht die Spannweite möglicher Lösungen. Und geht es in den Urlaub, kann die Jolle mit weiterem Gepäck bedarfsweise in einem handelsüblichen Anhänger mit idealerweise 2,50 m Innenraumlänge mitreisen. 2,10 m reichen auch, dann muss die Masttasche (etwa 2,40 m) aber auf den Dachträger.

Der komplette Baubericht findet sich in der Website mtw-faltboot.de.

Finaler Status Quo:

Sichtung auf Vollständigkeit Fertig
Reparatur Bootshaut PVC Fertig
Reparatur Bootshaut Textil Fertig
Reparatur Gerüst Fertig
Neuaufbau Schwertkasten Fertig
Schleifen & Lackieren Fertig
Erster Aufbau Boot Fertig
6 Stimmen

3 Gedanken zu „MTW Delphin 150 – Ende eines Restaurationsprojekts“

  1. Hallo Rolf,
    Ich habe lange nach einem Boot gesucht dass mir gefällt, groß genug ist für 3 Kinder und mich (eine SOF Eastport Pram mit Mirage Drive habe ich ja schon gebaut) und sich auch gut zur Adaption auf SOF eignet. In der engeren Auswahl standen noch das GoatIslandSkiff, Skerry, Passagemaker, Bolger-Gipsy und noch ein paar andere Boote. Die Mayfly hat den Vorteil dass die Seiten einen Winkel haben und daher die Leitern nicht verdreht sind, das Unterschiff ist ebenfalls komplett flach. Ich hoffe dass sich dadurch sie Haut schöner/einfacher herstellen lässt.
    Das Boot soll dann auch von Schülergruppen in Arbeitsteilung gebaut werden können. Bei festen SOF Booten arbeiten alle irgendwie am ganzen und haben dabei kein echtes Ziel vor Augen. Wenn jeder Schüler immer nur kurzzeitig für ein Teil zuständig ist könnte das effektiver sein.
    Heute habe ich den Schwertkasten gebaut wie er auf den letzten Bildern im Woodenboat Forum schon gezeichnet war.
    Als nächstes mache ich den Boden. Ich überlege ob ich nicht einfach sie 12mm Siebfilmplatten hinein baue. Das Gewicht ist mir ziemlich egal (es geht nur um Transport und Lagerung) und das haben wir schon bei einer Shanandoah Whitehall so gemacht.
    https://youtu.be/gQS-HRgQjSw
    Danach baue ich auf den Spanten die Leitern auf. Ich habe schon einen Haufen Anregungen dazu gesammelt und suche mir gerade heraus welches System mir am besten gefällt.
    Irgendwann möchte ich auch Steckhülsen aus Polokal Rohren probieren… vielleicht baue ich als nächstes einen Faltkanadier oder noch einmal eine Eastside Pram.
    Habe auch eine kleine FB Gruppe wo ich viele kleine Schritte und Basteleien hochlade…

    LG
    Marcus

    1. Hi Heavyweather, ich habe Deinen Thread im woodenboat-forum gelesen, ambitioniertes Projekt! 🙂 Wie bist Du darauf gekommen, ein Michalak-Design auf SOF zu ändern? Der Delphin-Schwertkasten hat eine 20-Grad-Neigung nach vorne und ist in der Längsachse deutlich länger als das Schwert. Angeblich soll so im Kollisionsfall das Schwert leichter nach oben rutschen. Der Kasten im Delphin 140 hatte beides nicht, deshalb werden ihm in Bezug auf das Boot „Harakiri“-Qualitäten zugesprochen.

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